Die Sprachen unserer Nachbarn: Schwedisch

von Anke Wilde

Im fünften Teil unserer Serie Die Sprachen unserer Nachbarn, stellen wir euch heute Schwedisch vor.

Bei Schweden denken Viele zunächst an Besuche bei einer Möbelhauskette einschließlich Köttbullar und schwedischer Mandeltorte. Oder an die bunte und heile Welt aus den Kinderbüchern von Astrid Lindgren. Oder auch an die vielfältige Kriminalliteratur, die tatsächlich ein eigenes Genre begründet hat, nämlich den Schwedenkrimi.

Das Schwedische gehört zu den germanischen Sprachen und ist, wie beispielsweise auch das Norwegische und Dänische, aus dem Altnordischen entstanden. Die Dialekte dieser alten Sprache wurden zwischen dem 8. und dem 14. Jahrhundert in ganz Skandinavien gesprochen und wurden von den Wikingern in den Nordatlantik weiter verbreitet. Im Isländischen hat sich, wie auch im Färöischen, das Altnordische am besten konserviert. Demgegenüber wurden die Sprachen Skandinaviens ab dem 14. Jahrhundert stark durch das Mittelniederdeutsche beeinflusst, denn das war die Verkehrssprache der Hanse.

Skandinavier verstehen einander

In der Sprachwissenschaft gelten das Schwedische, das Dänische und das Norwegische mit seinen zwei Varianten Bokmal und Nynorsk noch immer als Dialekte ein und derselben Sprache, und in der Regel müssen Skandinavier keinen Übersetzer hinzuziehen, wenn sie sich miteinander unterhalten. Dass diese Sprachen dennoch als eigenständig aufgefasst werden, hat vor allem politische Ursachen – die Königreiche Dänemark-Norwegen und Schweden waren sich lange Zeit einfach nicht grün, und vor allem im 16. und 17. Jahrhundert trugen sie miteinander mehrere Kriege aus. Im 19. Jahrhundert wiederum erstarkten, wie in den meisten europäischen Staaten, in Skandinavien die Nationalbewegungen, und es wurden eigene Sprachinstitutionen geschaffen. In Schweden war das die Schwedische Akademie, die seit 1901 für die Auswahl der Literaturnobelpreisträger zuständig ist.

Eines der wichtigsten sprachlichen Dokumente Schwedens ist die Gustav-Wasa-Bibel aus dem Jahr 1541. Diese Übersetzung der Luther-Bibel war ein wesentlicher Schritt zur Vereinheitlichung der schwedischen Sprache wie auch der Rechtschreibung. Benannt ist sie übrigens nicht etwa nach ihren Übersetzern, sondern nach dem damaligen König, der vom schwedischen Reichstag 1527 zum Oberhaupt der schwedischen Kirche ernannt wurde.

Einfache Grammatik, schwierige Aussprache

Die schwedische Schriftsprache ist für deutsche Muttersprachler recht einfach zu erlernen. Die Satzstellung ist sehr ähnlich, wenn auch nicht hundertprozentig deckungsgleich. Gerade für Grammatikmuffel ist das Schwedische gut geeignet, denn anders als im Deutschen werden Substantive nicht mehr dekliniert, und die Verben behalten bei allen Personen, Singular wie Plural, die gleiche Form.

Schwieriger hingegen ist die Aussprache. Zunächst einmal werden Buchstabenkombinationen wie „kj“, „sk“ und „sj“ anders ausgesprochen als ihr Schriftbild nahelegt – sie entpuppen sich schlichtweg als Zungenbrecher. Dann wird mitunter das „u“ gesprochen, als wäre es eine Mischung aus „o“ und „ö“, und das „o“ klingt umgekehrt wie ein „u“. Dazu gibt es noch die zwei Akzente, die festlegen, wie sich die Tonhöhe im Wort ändert, und die das Schwedische zu einer sehr melodischen Sprache machen. Das alles erfordert eine Menge Übung, und viele Nichtmuttersprachler werden in Schweden die Erfahrung machen, dass, sobald sie sich als solche entpuppen, der Gesprächspartner ins Englische wechselt.

Zum Schluss noch ein Tipp: Sollten Sie einmal ein schwedisch-deutsches Wörterbuch verwenden, beachten Sie bitte den Unterschied zwischen den beiden Alphabeten: Die schwedischen Buchstaben Å, Ä und Ö sind eigenständige Buchstaben und haben ihren Platz erst auf den letzten Seiten, nämlich hinter dem Z. Demgegenüber werden in deutschen Wörterbüchern die Umlaute direkt bei ihren Grundbuchstaben einsortiert, die „Achtung“ steht hier also unmittelbar vor der „Ächtung“.


Schwedisch auf der EXPOLINGUA Berlin 2017

Minisprachkurs Schwedisch
Sa, 18.11., von 13:30-14:15 Uhr
Präsentiert von Birgitta Barnes vom Hesita Language Institute

Schwedische Aussteller:
Hestia Language Institute – Schwedisch lernen in Schweden
Workwide AB – Jobs im Ausland