Fernost zu Gast auf der EXPOLINGUA Berlin – Teil 1: Japan

von Lutz Steinbrück

Große Ereignisse werfen weite Schatten voraus: Auf der EXPOLINGUA Berlin 2017 am 17. und 18. November im RHWK in Berlin sind Aussteller aus aller Herren Länder zu Gast. Mit die weiteste Anreise unter über 150 Ausstellern haben die Messevertreter aus dem fernen Ostasien, speziell aus Japan und Südkorea. Sie werden an dieser Stelle samt sprachlicher und kultureller Besonderheiten ihrer Länder im Überblick vorgestellt.

Aus dem Inselstaat „Nippon“ sind Go! Go! World (Angebot: „Japanisch in Japan lernen“) und die Meiji Academy (Anbieter japanischer Sprach-, Kultur- und Business-Kurse, gepaart mit Praktika und sozialen Aktivitäten) am Start.

Japan, das „Land der aufgehenden Sonne“, übt auf viele Europäer eine starke Faszination aus – und den Wunsch, es zu besuchen oder dort eine Zeit seines Lebens zu verbringen. Doch ohne japanische Sprachkenntnisse ist dies nicht zu empfehlen. Wer einmal im Schilderwald einer japanischen Großstadt stand und die Schriftzeichen weder entziffern noch deuten konnte, mag sich gefühlt haben wie einst Bill Murray im Hollywood-Film „Lost in Translation“ – verloren in einem Umfeld, dass er oder sie nicht versteht.

Klar ist: Die reichhaltige Kultur des Landes hat auch jenseits populärer Exportschlager wie Mangafilmen, Samuraischwertern oder Sushi eine Menge zu bieten. Der Schlüssel, um sich in der für Nicht-Japaner ungewohnten fernöstlichen Welt zurechtzufinden, liegt in den sprachlichen Fertigkeiten. Gesprochen von knapp 127 Millionen Sprecherinnen und Sprechern, wird Japanisch fast ausschließlich im eigenen Land gesprochen. Nicht nur aufgrund der für Europäer ungewohnten Buchstaben gilt der Erwerb der Sprache als Herausforderung. Die moderne Standardsprache wird seit der Meiji-Zeit im 19. Jahrhundert gesprochen.

Wenn man beginnt, Japanisch zu lernen, erscheint vieles – im Vergleich zum Deutschen oder zu einer anderen indo-europäischen Sprache – sehr einfach. Es gibt weder Genus noch Kasus noch Plural. Es gibt nur zwei unregelmäßige Verben. Die lautliche Struktur ist sehr einfach. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Lauten, die häufig auftreten. Die japanische Aussprache verfügt kaum über Konsonantenverdoppelungen und nur über einen stimmhaften Endkonsonanten („-n“).

Höflichkeitsformen markieren Hierarchien

Schwierig bzw. ungewohnt für deutschsprachige Lernende ist laut Prof. Dr. Matthew Königsberg (Japanologe am Ostasiatischen Seminar der Freien Universität Berlin), dass die japanische Sprache über differenzierte Höflichkeitumschreibungen verfügt. Im Deutschen muss man erst eine grammatikalische Entscheidung hinsichtlich Höflichkeit treffen, wenn zwischen „Du“ und „Sie“ zu wählen ist. Im Japanischen hingegen kann man nicht einmal die Äußerung: „Heute ist Montag“ tätigen, ohne zu markieren, in welchem hierarchischen Verhältnis man zum Gesprächspartner steht, bzw. wie intim man mit ihm oder ihr ist.

Eine weitere Hürde besteht darin, dass die Satzstruktur gänzlich anders und teilweise viel weniger festgelegt ist als im Deutschen, was nicht immer zu einfacherer Verständigung führt. So muss im Japanischen das Subjekt einer Satzes gar nicht erwähnt werden, wenn dieses aus dem Kontext heraus eindeutig ist. Daran muss man sich erst einmal gewöhnen, denn für einen Anfänger liegt nicht immer eindeutig auf der Hand, was das Subjekt tatsächlich ist.

Drei Schriftsysteme

Es gibt, neben dem in geringem Umfang angewandten lateinischen Alphabet, allein drei Schriftsysteme, mit deren Hilfe japanische Laute verschriftlicht werden: die Alphabete Hiragana, Katakana sowie die Silbenschrift Kanji. Die japanische Schrift ist eine Kombination aus allen dreien. Alle Zeichen wurden aus dem Chinesischen adaptiert. Hiragana und Katakana umfassen jeweils um die 50 Schriftzeichen. Hiragana dient vor allem grammatikalischen Zwecken, Katakana drückt meist Wörter aus, die aus westlichen Ländern importiert worden sind. In Kanji werden mit Substantiven, Verben und Adjektiven die meisten Wörter der japanischen Schriftsprache geschrieben. Es gibt über 40.000 Kanji. 2.000 davon bilden bereits 95 Prozent der Kanji-Schriftzeichen in heutigen Texten. Im Japanischen gibt es keine Leerzeichen, dank der Kanji werden einzelne Wörter voneinander getrennt.

Kanji helfen auch, gleichklingende Wörter mit unterschiedlicher Bedeutung voneinander zu unterscheiden. Denn das Verständnis japanischer Laute, Wörter, Zeichen und Schriften ist stark vom jeweiligen Kontext abhängig. Es gibt nur eine begrenzte Anzahl an Lauten, die häufig auftreten. Daher ist ein Verständnis des Sinnzusammenhangs oft nur möglich, wenn man die Laut- und Schriftzeichen im richtigen Zusammenhang deuten kann, um ihre Bedeutung richtig zuordnen und verstehen zu können.

Es gibt eine Vielzahl von Dialekten. Eine Besonderheit stellen strukturelle Gemeinsamkeiten mit dem Koreanischen dar. Es gibt viele Übereinstimmungen in der Bildung grammatikalischer Strukturen, allerdings nur wenige Gemeinsamkeiten im Wortschatz.

50-Laute-Tafel

Eine systematische Übersicht der Grundlaute von Hiragana und Katakana bietet die 50-Laute-Tafel. Außerdem gibt es den Silbenauslaut n, der mit einem eigenen Zeichen geschrieben wird. Die 46 Grundzeichen der Laute-Tafel bilden „gerade Laute“, mit einem diakrischen Extrazeichen sind die 20 „getrübten Laute“ versehen, mit einem weiteren Extrazeichen fünf halbgetrübte Laute. Durch Kombinationen mit Beteiligung gerader entstehen 21 gebrochene Laute. Diese können getrübt werden, was zu 15 weiteren Lauten führt.

Die kulturellen Sitten in Japan haben ihre ganz eigenen Tücken. Wenn man zum ersten Mal nach Japan und mit Japanern in Kontakt kommt, stellt man fest, dass beim ersten Kennenlernen zunächst einige förmlichen Rituale ablaufen. Im Geschäftsleben verbeugt man sich und tauscht Visitenkarten aus. Selbst außerhalb des Büros verbeugt man sich und stellt sich kurz nicht nur mit Namen, sondern auch mit Hobbys, Herkunftsort und weiteren persönlichen Informationen vor. Ist das Eis erst einmal gebrochen, muss man sich jedoch wenig Sorgen machen, etwas falsch zu machen. Im alltäglichen Umgang sind die Japaner teilweise unkomplizierter als Deutsche. Es gilt als schlechter Stil, sich selbst allzu wichtig zu nehmen. Man sollte sich jedoch hüten, Unmut oder Unzufriedenheit offen zu zeigen. Japaner reagieren selbst eher gelassen auf die kleinen Ärgernisse des Alltags.

Zengärten in Megacities

Das Land ist geprägt von einer abwechslungsreichen Landschaft und Vegetation, urbanen Megacities und Hochtechnologie. Japanische Gärten bilden auch im Großstadttrubel Oasen der Ruhe und sind Ausdruck japanischer (Lebens-)Philosophie und Tradition. Dort finden sich auch religiöse Stätten wie buddhistische Tempel oder Shinto-Schreine. Japanische Gartenkunst zeichnet sich durch viel Moos, Steine, Bäume und Teiche aus, die sich zu einem harmonischen Gesamtbild fügen und das natürliche Setting hinter dem Garten einbeziehen. Eine Sonderform der Gärten bilden Zen- oder Steingärten.

Einflüsse auf die japanische Kultur stammen aus Ozeanien, China und anderen Ländern Asiens, wobei die Insellage und eine lang anhaltende selbstgewählte Isolation gegenüber der westlichen Welt ungefähr  zwischen den Jahren 1630 bis 1853 zur speziellen Ausprägung kultureller Eigenheiten führte. Aus einer nicht ganz unbegründeten Angst vor christlicher Missionierung und Kolonialisierung erlaubten die Japanern lediglich den Niederländern, eine kleine Handelsmission im Hafen von Nagasaki zu betreiben. Die Holländer schienen eher von merkantilem als von missionarischem Eifer getrieben zu sein.

Gegenüber asiatischen Nachbarn wie China und Korea war das Land jedoch nie abgeschlossen und auch während der sogenannten „Landesabschliessung“ lernten japanische Gelehrte Niederländisch und übersetzten Werke aus Medizin, Militärwesen und ähnlichen Fächern von praktischem Nutzen. Die Japaner waren sich schon durch die Nachbarschaft zu China immer der Tatsache bewusst, dass es fortgeschrittene Länder gibt, von denen man etwas lernen kann. Diese Haltung sowie das viele übersetze Wissen aus den „holländischen Studien“ trugen dazu bei, dass Japan ab Mitte des 19. Jahrhunderts sehr schnell den Anschluss an den Westen fand.

Geishas als kulturelle Botschafterin

Eine Schlüsselfigur und zugleich ein Markenzeichen der kulturellen Tradition Japans ist die Geisha (芸者, übersetzt: Künstler). Sie zeigt althergebrachte japanische Künste. In einer schweren dreijährigen Ausbildung lernen die Schülerinnen unter anderem Kalligrafie, die Blumensteckkunst (Ikebana) und das Bedienen japanischer Instrumente wie der Hayshiflöte oder der Tsuzumitrommel. Dazu lernen sie singen, tanzen und die Beherrschung der Kunst der Teezeremonie.

Über viele Jahrhunderte existiert die japanische Tätowierkunst. Sie bietet eine Vielzahl an Motiven, oftmals Drachen oder Dämonen aus der Sagenwelt oder Symbole wie Kirschblüten (Schönheit, Freude, Vergänglichkeit). Aus der Populärkultur sind die Animations- bzw. Zeichentrickfilme hervorzuheben, die Weltruf genießen. Ein weites Spektrum umfasst der J-Pop, die japanische Popmusik, die ebenfalls international mit diversen Acts aus verschiedenen Genres für Furore sorgt.

EXPOLINGUA weist Wege nach Japan: Go! Go! World und Meiji Academy

Wer neugierig auf Land, Leute und Sprache geworden ist, kann mit Hilfe von Go! Go! World Japanisch in Japan lernen. Dieser etablierte und breit aufgestellte Anbieter stellt sich auf der EXPOLINGUA 2017 in Berlin vor und hat eine Vielzahl an Angeboten zum Lernen der Landessprache parat. Dies ist möglich an einer von mehreren Sprach- oder Berufsschulen (darunter die „Tokyo Sushi Academy“), der Tokyo International University oder im Rahmen einer Sprachreise.

Die Sprachreise-Optionen bieten einen bunten Strauß an Themen: „Cool Japan“ etwa beschäftigt sich mit bekannten popkulturellen Phänomenen, „Traditional Japan“ mit der angestammten Kultur, „Taste of Japan“ mit kulinarischen Highlights. Auch jahreszeitsspezifische Aufenthalte oder „Weihnachten in Japan“ sind möglich. Die maßgeschneiderten Unterkünfte richten sich ganz nach den Wünschen des Sprachlerners. Dazu organisiert Go! Go! World diverse, meist kostenlose Verantstaltungen zum Kennenlernen und Netzwerken in Tokio, Osaka und Kyoto. Weitere Infos zu allen Angeboten, Videos und Erfahrungsberichte finden sich auf der unten angegebenen Webseite.

Neben einen Stand auf der Messe wird Go! Go! World auch im Programm der EXPOLINGUA 2017 mit der Präsentation Japanisch lernen in Japan. Wie geht das eigentlich? vertreten sein.

Praktika und Einblicke dank Exkursionen

Auch die Meiji Academy aus Fukuoka stellt sich und ihr Programm auf der EXPOLINGUA persönlich vor und freut sich dort über interessierte Gäste am Stand. Die Bildungseinrichtung hat japanische Sprach-, Kultur- und Business-Kurse in Kombination mit Praktika (in Fukuoka, Osaka, Kyoto, Tokio oder Yokohama) und sozialen Aktivitäten im Portfolio. Die Lehrgänge sind praxisorientiert und Exkursionen ermöglichen Kursteilnehmern ein tieferes Verständnis für die kulturellen Gepflogenheiten.

Die Sprachkurse untergliedern sich in Standard-, Intensiv- und Geschäftsjapanisch, dazu gibt es Spezialkurse, die sich der traditionellen Kultur oder der landestypischen Popkultur widmen. Schüler sind aufgefordert, aktiv zu sprechen. Dafür werden Alltagssituationen und Rollenspiele sowie der Kontakt zu „Native Speakern“ genutzt. Überdies vermittelt die Akademie auch Vollzeitstellen in japanischen Unternehmen und unterstützt angehende ausländische Jungunternehmer in Japan mit dem Start-Up Visa.

Außer an ihrem Stand findet ihr die Meiji Academy auch im Programm mit ihrem Vortrag Japanese Language, Culture and Business.

Ebenfalls auf der EXPOLINGUA zu Gast ist das Japanisch-Deutsche Zentrum (JDZB) aus Berlin. Japanischkurse, eine Bibliothek, Austauschprogramme und zahlreiche Veranstaltungen ermöglichen das Kennenlerne der Sprache und Kultur. Das JDZB hat Kurse für Japanisch als Fremdsprache mit integrativ-kommunikativen Schritten (JaFIX) im Angebot. Dabei werden alternative fremdsprachendidaktische mit konventionellen Methoden kombiniert, um die Sprache nachhaltig, lebensnah und mit hohem Spaßfaktor zu vermitteln.

Das JDZB wird zusammen mit der Botschaft Japans im Programm der EXPOLINGUA einen Überblick über Austauschprogramme nach Japan bieten. Japaninteressierte sollten nicht ihren Vortrag Austausch- und Stipendienmöglichkeiten für Deutsche nach Japan: Regierungsstipendien, JET-Programm, bilaterale Jugendaustauschprogramme verpassen. Wer außerdem einen kurzen ersten Einblick in die japanische Sprache möchte, bekommt diesen im Minisprachkurs Japanisch des Japanisches Kulturinstituts. Kommt einfach am 17. oder 18. November auf die EXPOLINGUA Berlin 2017!

 

Links:

Go! Go! World
https://gogonihon.com/en
https://gogonihon.com/de/ (auf Deutsch)
https://www.facebook.com/lerne.Japanisch.in.Japan
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Meiji Academy
http://meijiacademy.com/
https://www.facebook.com/meijiacademy/
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https://www.instagram.com/meijiacademy/

JDZB
http://www.jdzb.de/