Sprachkenntnisse als Karriere-Turbo

von Annette Leyssner

„Ob und welche Fremdsprachen Sie brauchen, hängt natürlich in erster Linie von Ihrem Job ab, beziehungsweise zu welchen Ländern Ihr Arbeitgeber Kontakte pflegt oder aufbauen will“, sagt Hellmut Meinhof, Leiter vom Büro Führungskräfte zu Internationalen Organisationen der Bundesagentur für Arbeit. Selbstredend, dass Sprachlehrer, Fremdsprachenkorrespondenten und Dolmetscher möglichst viele Fremdsprachen beherrschen sollten. Aber auch in anderen Branchen werden Sprachenkenntnisse wichtiger. Dazu zählen Jobs im Bereich der Naturwissenschaften und der IT. Auch ein Job bei der Europäischen Union ist attraktiv: Spannende Aufgabe, sichere Stelle, gutes Gehalt. Zwei Fremdsprachen sind Voraussetzung, um beim Auswahlverfahren zu bestehen. Tätigkeitfelder der EU-Mitarbeiter sind vielfältig. Gesucht werden Referenten für Außenbeziehungen oder Kommunikation, Juristen, Übersetzer, Projektmanager oder IT-Experten. „Wer es zu einem EU-Job geschafft hat, den erwarten Tag für Tag ein internationales, multilinguales Arbeitsumfeld und die Möglichkeit, im Ausland zu arbeiten“, erklärt Meinhof.

An der Spitze der Hierarchie der nützlichen Sprachen steht Englisch. Es ist offizielle Sprache in über 40 Ländern und dominiert in allen internationalen Einrichtungen. „An guten Englischkenntnissen kommt heute fast niemand mehr vorbei“, ist sich Ulrich Walwei sicher. Die Zeiten hätten sich geändert, sagt der Vizedirektor des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung. „So ist es vor einigen Jahren in vielen Sekretariaten von kleineren und mittelständischen deutschen Unternehmen noch nicht erforderlich gewesen, Telefonate auf Englisch zu führen.“ Heute sei das Alltag. Vom Englischen einmal abgesehen, welche Sprachen sind am nützlichsten in der Arbeitswelt? Mit Französisch liegt man nicht falsch. Es wird von über 220 Millionen Menschen gesprochen, in 29 Ländern ist es offizielle Landessprache. Frankreich war 2016 der zweitwichtigste Handelspartner Deutschlands, nach den Vereinigten Staaten. Französische Unternehmen sind in der Pharmaindustrie sowie im Telekommunikations-, Luftfahrts- und Energiesektor führend. Zudem nimmt Französisch bei Initiativen zur Entwicklungshilfe in Afrika eine Schlüsselrolle ein, denn in vielen Ländern Afrikas ist Französisch eine der Landessprachen. „Wer Französisch beherrscht, ist in Beratungstätigkeiten sowie bei Stiftungen und Non-Profit-Organisationen mit Tätigkeitsschwerpunkt in Afrika im Vorteil“, sagt Walwei. Für eine Karriere im Tourismussektor werden Spanischkenntnisse sicher helfen, schließlich sei Spanien ist eines der beliebtesten Urlaubsländer der Deutschen. Auf dem Arbeitsmarkt ebenfalls gefragt sei Chinesisch. Schließlich sind knapp 20 Prozent aller Menschen Chinesen, ein riesiger Markt. „Sprich, wenn Sie im internationalen Handel arbeiten wollen, dann sollten Sie Chinesisch lernen“, rät Walwei. Erwägenswert sei auch das Türkische. „Es kann den Zugang zu den Ländern Mittelasiens öffnen, deren Rohstoffreichtum immer wichtiger wird und wo Turksprachen gesprochen werden.“

Mittlerweile haben sich viele Sprachreiseanbieter auf die Bedürfnisse von Berufstätigen eingestellt. So werden oftmals spezielle Business-Englischkurse angeboten. Sinnvoll: Ein international anerkanntes Sprachzertifikat abzulegen. Für Englisch sind beispielsweise vor allem das Cambridge Certificate und der TOEFL sehr beliebt. Bei Bewerbungen müssen Fremdsprachenkenntnisse immer mit einem Niveau angegeben werden, sagt Meinhof, Leiter vom Büro Führungskräfte bei internationalen Organisationen der Bundesagentur für Arbeit. Hierfür gibt es verschiedene Stufen, beispielsweise „Muttersprache“, „Sehr gut“, „Gut“ und „Grundkenntnisse“. „Die Fremdsprache wird erst dann zum Karriere-Turbo, wenn Sie sie komplex anwenden und sich im realen Gespräch behaupten können“, gibt Meinhof zu bedenken.

Generell können sich multilinguale Arbeitssuchende auch im Fremdsprachen-Jobs-Sprachennetzwerk umsehen. Es ist mit über 60.000 Mitgliedern die größte Plattform von Fremdsprachenprofis im deutschsprachigen Raum. Hier finden Fremdsprachenexperten und Anbieter von Festanstellungen und Projekten zusammen. Interessant ist dieses Angebot unter anderem für Übersetzer, Dolmetscher und Lektoren, aber auch an Arbeitssuchende aus allen Branchen, die ihre Sprachenkenntnisse gezielt im Beruf einsetzen möchten.