Die andere Jahreswende: Feiern interkulturell und interreligiös

Jewish holiday hanukkah celebration with vintage menorahWeihnachten ist für viele Menschen weltweit gleichbedeutend mit dem Jahresausklang. In Europa, Nordamerika und anderen katholisch und protestantisch geprägten Regionen der Welt bilden die Tage vom 24. bis 26. Dezember so etwas wie das Ziel, auf das das ganze Jahr sich hinbewegt. Doch tatsächlich gibt es im Dezember und Januar auch andere Gründe und Tage für ein Zusammenkommen mit Familie und nahestehenden Menschen. Viele Länder und einige Religionen folgen anderen Traditionen.

Das jüdische Lichterfest Chanukka

Wer Chanukka kennenlernen möchte, hat dazu in vielen europäischen Großstädten die Gelegenheit: am 21. Dezember etwa auf dem Münchner Jakobsplatz – nicht weit vom Marienplatz entfernt – oder bei Veranstaltungen der Jüdischen Gemeinde in Berlin. Auf Londons Trafalgar Square wird vom 16. bis 28. Dezember eine überdimensionierte Chanukkia zu bewundern sein – ungewöhnlich lange, denn Chanukka dauert nur acht Tage. 2014 wird Chanukka gemäß jüdischem Kalender vom 17. bis zum 24. Dezember begangen.

Die Chanukkia ist ein achtarmiger Leuchter mit einem zusätzlichen neunten Arm, dem Diener: Der Diener dient zum Anzünden der acht Kerzen. Acht Tage dauert das Fest und acht Arme trägt sein wichtigstes Instrument der Legende wegen. Im zweiten Jahrhundert vor Christus eroberten die jüdischen Makkabäer einen Tempel in Jerusalem von den syrischen und griechischen Besatzern zurück. Als sie dort die Menora, den siebenarmigen Leuchter, wieder anzünden wollten, fanden sie jedoch nur einen einzigen Krug Öl vor: Der hielt üblicherweise nur für einen Tag – doch um neues Öl herzustellen, brauchte es acht Tage. Wundersamerweise jedoch reichte das Öl aus jenem einzelnen Krug, um die Flamme acht Tage lang am Leben zu erhalten. Das Chanukka-Fest feierten die Menschen in der Folge alljährlich öffentlich zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempels. Mit Beginn der jüdischen Diaspora im ersten Jahrhundert nach Christus setzten die häuslichen Feiern ein.

Das Anzünden der Lichter auf der Chanukkia kann unterschiedlichen Gepflogenheiten folgen. In der Regel wird nach Anbruch der Dunkelheit jeden Tag eine weitere Kerze angezündet. Die Chanukkia soll dabei auch für Außenstehende sichtbar sein: In vielen privaten Wohnungen steht sie deshalb am Fenster. An Chanukka erhalten Kinder zudem Geschenke und Süßes. Lattkes, die jüdischen Pfannkuchen, werden mit besonders viel Öl zubereitet und Krapfen gebacken.

Orthodoxe Weihnachten

Anfang Januar gilt das Weihnachtsfest in vielen Ländern auf der nördlichen Halbkugel als „wieder mal vorbei“. Doch vom orthodoxen Glauben geprägte Länder und Gesellschaften haben Weihnachten dann noch vor sich. Die russisch-orthodoxe und die serbisch-orthodoxe Kirche übernahmen zum Beispiel im 16. Jahrhundert nicht wie Katholiken und Protestanten den gregorianischen Kalender, der inzwischen 13 Tage vom julianischen abweicht. Daher feiern gläubige Menschen in Russland Weihnachten am 6. und 7. Januar, also der Zeit von Christi Geburt entsprechend dem julianischen Kalender. Doch auch in Rumänien und Bulgarien folgen die Menschen den Traditionen und Regeln orthodoxer Weihnachten.

Lange allerdings hatte es das orthodoxe Weihnachtsfest schwer: Während der Zeit des Kommunismus waren religiös motivierte Feiern verpönt. Damit die Menschen dennoch offiziell ihrem Feierbedürfnis nachkommen durften, verlegte man einige Weihnachtstraditionen auf Silvester und Neujahr. In Russland etwa beschenken sich viele Menschen bis heute an Silvester – obwohl der 7. Januar seit den 1990er Jahren wieder offizieller staatlicher Feiertag ist.

Die Weihnachtsfastenzeit dauert vom 28. November bis zum 6. Januar. Die strengen Regeln wecken Erinnerungen an einen heute weltweiten Trend, den Veganismus. Wer richtig fastet, verzichtet nicht nur auf Fleisch, sondern auch auf tierische Produkte, wie Eier, Milch, Joghurt. Kohlgerichte wie die Suppe Schtschi werden in dieser Zeit häufig zubereitet.

Auch am „Sochelnik“, dem Heiligabend des 6. Januar, essen die Menschen fleischlos: vor dem Gottesdienst einen Brei aus Mandeln und Rosinen, die Kutja.

Interkulturelle Kalender für Kultur-Neugierige

Doch nicht nur in den Ländern Osteuropas leben die orthodoxen Traditionen im Januar auf: Mehrere Millionen Menschen weltweit sind orthodoxen Glaubens. Wer die Bräuche anderer Kulturen kennt, kann bei sich vor Ort ihren Spuren folgen. Wer aber überhaupt erst erfahren möchte, wie viele Gründe die Menschen auf allen Kontinenten zum Feiern haben, sollte einen Blick in einen interkulturellen Kalender werfen. Viele Integrationsstellen der einzelnen Bundesländer bieten diesen Service kostenlos an, oft auch schon zur digitalen Anwendung – eine erste Auswahl:

Interkultureller Kalender der Berliner Integrationsbeauftragten

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