Berufsbilder: Übersetzer von Kinderbüchern

„Übersetzen ist wunderschön“, schwärmt Heike Brandt. „Man reist im Kopf rund um die Welt und lernt immer wieder dazu.“ Die 66-Jährige Berlinerin muss es wissen: Seit 1986 ist sie freiberuflich als Übersetzerin (und Autorin) tätig – aus dem Englischen ins Deutsche.

Wie viele ihrer Kolleginnen und Kollegen ist Brandt eine Quereinsteigerin, denn für das Übersetzen von Kinderbüchern gibt es keine klassische Ausbildung. An den großen Universitäten in Düsseldorf und München können Interessierte Literaturübersetzen bzw. Literarisches Übersetzen studieren.

Ein einjähriger Aufenthalt als Schülerin in den USA bildete die Basis für Heike Brandts Englischkenntnisse. Mit Büchern für Kinder kam die Diplom-Pädagogin schon in den 1970er Jahren intensiv in Berührung – als Mitgründerin eines Kinderbuchladen-Kollektivs in Berlin-Kreuzberg.

Die Lust am Formulieren, am Ausprobieren mit Sprache, sieht sie als wichtige Voraussetzung für ihren Beruf. „Man muss sicher in der Zielsprache sein, in vielen Varianten.  In der Ausgangssprache muss man die Bedeutungsebenen und Nuancen von Wörtern erkennen können“, so Brandt. Mit dem nötigen Gespür sei Übersetzen wie ein Spiel. Sie vergleicht es mit Puzzlen oder Scrabble.

„Wer ernsthaft überlegt, Übersetzer zu werden, egal ob von Kinderbüchern oder anderen Werken, braucht viel Sitzfleisch“, sagt Heike Brandt. Ein Großteil der Arbeit besteht darin, alleine am Schreibtisch zu sitzen und an einem Text zu basteln. Ein Nachteil ist laut Brandt die schlechte Bezahlung. „Übersetzerinnen und Übersetzer werden oft immer noch nicht angemessen honoriert.“

Freuen kann sie sich dagegen über diverse Auszeichnungen: Bereits ihr erstes übersetztes Buch („Donnergrollen hör mein Schrei’n“ von Mildred. D. Taylor) wurde mit dem „Buxtehuder Bullen“ ausgezeichnet. Weitere  tierische Trophäen waren  zwei „Blaue Brillenschlangen“. Mehrere ihrer Übersetzungen standen auf der Auswahlliste für den Deutschen Jugendliteraturpreis, zuletzt E.R. Franks „Ich bin Amerika“ (2006). Und für die Übersetzung von „M. C. Higgins, der Große” von Virginia Hamilton bekam sie 1991 den Gustav-Heinemann-Friedenspreis.

Dass die junge Leserschaft anspruchsvoll ist, belegt auch ein Zitat des russischen Literaten Maxim Gorki, das Heike Brandt gerne wiederholt: „Für Kinder muss man schreiben wie für Erwachsene – nur besser.“

Weiterführende Links zum Thema:

Bundesverband der Dolmetscher und Übersetzer e.V.: http://www.bdue.de/

VdÜ – Verband deutschsprachiger Übersetzer literarischer und wissenschaftlicher Werke e.V.: http://literaturuebersetzer.de/

Übersetzerin Heike Brandt (Webseite der Verlagsgruppe Beltz)

Literarisches Übersetzen (Master, auch weiterbildend möglich), LMU München
Literaturübersetzen (Master), Heinrich-Heine-Universität Düsseldorf
Kinder- und Jugendliteratur (Bachelor Germanistik), Goethe-Universität Frankfurt am Main